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NJ 41
DUBHE [11h4m, +61°45']
α Ursae Majoris

Dubhe (arab. Bär) ist Stern α im Sternbild Großer Wagen und trotz seiner Bezeichnung nur der zweithellste Stern des Sternbilds; er befindet sich an der rechten oberen Ecke des Kastens des Großen Wagens und bildet zusammen mit Merak dessen Hinterachse, deren fünffache Verlängerung auf den Polarstern trifft (Zeigerstern).
Dubhe ist 124 Lichtjahre entfernt und besteht aus zwei Doppelsternen.


Göttervater Zeus verliebt sich wieder mal, diesmal in die Nymphe Kallisto, er nähert sich der Jungfrau in Gestalt von Diana und raubt ihr die Unschuld geraubt.
Hera, seine Gemahlin, hört davon und von Kallistos Säugling Arkas.
Aus Eifersucht verwandelt sie Kallisto in einen Bären. Als Kallisto in Bärengesstalt später ihrem Sohn Arkas begegnet, versuchte er, das Tier zu töten. Um einen Mord an der Mutter zu verhindern, entführt Zeus beide und gibt ihnen einen Platz am Firmament. Als aber Hera die Rivalin unter den Sternen funkeln sieht, packt sie die Wut, wendet sich an Okeanos und Tethys, beiden ihr Leid klagend. Sie erbittet den Gefallen, dass die Bärin niemals erfrischendes Wasser sollte erreichen können; seitdem ist Ursa maior (Der Große Wagen oder Bär) zirkumpolar.

TIBERIUS

Wer zur richtigen Zeit in den Pontinischen Inseln segelt und in Capri anlegt, passiert schwimmende Villen, an deren Nationalen weniger die Herkunft der Eigner als vielmehr deren Findigkeit für Steuerparadiese erkennbar ist.


Noch einer, den Sueton als abartig charakterisiert, residierte, neben weiteren berühmt Berüchtigten, auf der Insel; seine 12 Villen sind zerfallen. 11 Jahre beherrscht Tiberius von Capri aus das Römische Weltreich.



Kaiser Tiberius, Exempel für Kindertraumageschädigte (Gregorio Marañón gar will Symptome des Ressentiment-Syndroms, einer Geisteskrankheit, erkennen), hält im Jahre 33 v. Chr. als Neunjähriger die Leichenrede für seinen Vater Tiberius Nero; seitdem ist der Knabe berühmt in Rom.

Adelsspross aus dem Claudier-Geschlecht, war er von Kind auf eng verwickelt in die politischen Wirren des Römisches Reichs. Vater überzeugter Republikaner, Anhänger der Cäsarmörder, unterstützt Lucius Antonius und stellt sich gegen Octavian, nachmals Kaiser Augustus.
Deshalb müssen er und seine Familie über Sizilien nach Griechenland fliehen. Der Vierjährige Tiberius erlebt, wie, nach Rom zrückgekehrt, seine Mutter Livia sich Augustus zuwendet, der ihre Scheidung vom Vater erzwingt: Und drei Monate nach der Heirat mit Augustus bringt Livia den leiblichen Sohn des Tiberius Nero, Drusus, zu Welt.

Zeitlebens wird Augustus ihm diesen jüngeren Stiefsohn vorziehen. Das zweite große Leichenbegängnis wird die Rückführung dieses Bruders, der bei einem Reiterunfall in einer fernen Provinz ums Leben kommt. Beide Brüder, trotz ihres jugendlichen Alters, sind schon in politischen Führungsämtern.
Tiberius reiht sich denn auch ein in die Riege der Mächtigen, die seit je ganze Völkerscharen zur Flucht zwangen: Um den germanischen Druck auf den Mittelrhein zu mindern, "siedelt" er als Oberbefehlshaber der Provinz Germanien etwa 40.000 Sugambrer und Sueben in linksrheinisches Gebiet "um".

Im Jahr 12 v. Chr. muss Tiberius sich auf Druck des kaiserlichen Stiefvaters von Vipsania Agrippina scheiden lassen und Stiefschwester Iulia heiraten. Die Verbindung soll die Einheit des regierenden Hauses stärken. Iulia frönt nach drei von Augustus ihr aufgebürdeten Zwangsehen dem dolce vita, die Ehe wird für Tiberius - im Gegensatz zur ersten - zur Qual, binnen kurzem ist sie zerrüttet: Er wählt Rhodos zum siebenjährigen Exil, Augustus verbannt Iulia ihres flotten Lebenswandels wegen nach Ventotene , heute lohnendes Ziel für Segler im Pontinischen Archipel.
Die Ehe von Tiberius und Iulia wird wieder geschieden.

Nach Augustus' Tod wird Tiberius sein Nachfolger, hat aber die Rechnung ohne seine herrschsüchtige Mutter Livia gemacht.
Morde, Meutereien im Heer, Massenhinrichtungen, Intrigen, und das Wirken Jesu (das aber in Rom keinerlei Aufmerksamkeit erweckt oder Spuren hinterläßt, Nebensatz in Römischer Geschichtsschreibung: Der Namengeber der Sekte, Christus, war unter Tiberius vom Procurator Pontius Pilatus hingerichtet worden.)

Das hochragende Hauptgebäude der ausgedehnten Anlage – "Burg des Tiberius" nennt Plinius sie – hat keine Ähnlichkeit mit den traditionellen Meeresvillen, luxuriöse Sommerhäuser reicher Aristokraten an den Küsten des Golfes von Neapel. Die "Villa des Jupiter" ist ohne Vorbild in der römischen Architektur.
Eindrucksvolles Beispiel römischer Ingenieurskunst: An außergewöhnlichem Standort errichtet, 7.000 qm Grundfläche, acht Stockwerke mit über 40 Metern Höhe auf gewaltigen Substruktionen, im Zentrum riesige Zisternen für die Wasserversorgung, in den Untergeschossen Unterkünfte, Magazinräume, Thermenanlage, Rampen und Trauftreppen...


Der Bau erfüllt alle Ansprüche einer Residenz, indem er die Funktionen Wohnen, Repräsentation und Verwaltung unter einem Dach vereinigt. Nach der dauerhaften Übersiedelung des Kaisers wird der Palast zum gut geschützten Regierungssitz und schwer zugänglichen Rückzugsort des alternden Kaisers; bis zu seinem Tode 37 n.Chr. verlässt er ihn nicht.
Der Österreicher Norbert Hadrawa beraubt sie im 18. Jhrt. ihrer Kostbarkeiten, die Objekte werden in alle Winde verstreut (das berühmteste, der so genannte „Capri-Altar“ befindet sich heute im British Museum London.)

Als unansehnlichen, durch Hautgeschwüre entstellten Lustgreis stellen zeitgenössische Historiographen Tiberius dar, der öffentlichkeitsscheu auf Capri seinen Gelüsten nachgeht: pädophilen, sadistischen Neigungen. Im kaiserlichen Thermalbecken zwingt er Jünglinge - er nennt sie seine "Fischlein"- zur Unterwasser-Fellatio, Vitellius der spätere Kaiser ist unter den Opfern; mit denen er besondere Lüste erlebte, läßt er zur Belohnung vom hohen Burgberg tief den felsigen Steilhang hinunter ins Meer werfen. Er geniesst Folterungen und sexuelle Abartigkeiten; wer mehr wissen will, lese bei Sueton nach ...

Weit hinüber zur Amalfi-Küste geht der phantastische Blick von Villa Jovis, dunkle Klippen ragen davor aus dem Wasser: Li Galli (Hähne), die Sireneninseln. Wer diesen Küstenstrich bei Nebel besegelt hat, versteht, dass die Sirenusen eine ernste Bedrohung für die anktike Schiffahrt darstellten.

Und jeder Seemann kennt die gefährlichen Strömungen in solchen Gefilden. Auf drei winzigen Eilanden namens Gallo Lungo, La Rotonda und Dei Briganti a nord della Rotonda (oder auch Castelluccio oder La Castelluccia) hat es sich also abgespielt, das Drama mit den Damen, die vormals hier wohnten: halb Mensch-, halb Vogelwesen. 1225 übereignet sie der Staufer Friedrich II. dem Klosters Positano, 1924 erwirbt Léonide Massine, russischer Tänzer und Choreograf die Inselgruppe, baut sich ein große Villa, die Le Corbusier umbaut, 1989 kauft sie Rudolf Nurejew, 1993 erwirbt sie ein Touristikkaufmann: Ihr könnt sie mieten (samt Koch und Motorboot).

Der Sirenen Verlockungen und dem Liebreiz ihres Gesanges zu entkommen, gelingt nur Orpheus und Odysseus. Orpheus übertönt ihren Gesang mit dem eigenen, Odyseeus läßt sich an den Mast des Schiffes fesseln. Und - mit Kirkes Ratschlag - verschließt er vorher seinen wackren Gefährten die Ohren mit Wachs und so kann er die Wendungen ihrer Hälse, ihr Tiefatmen, ihre tränenvollen Augen, den halb geöffneten Mund und ihre Arien wahrnehmen, aber - den Helden zu verführen gelingt den Sirenen nicht.



Einer der großartigsten, aber auch trotz oder wegen seiner Kürze komplexesten Texte der Weltliteratur bringt die Sirenen zum Schweigen und beweist, welch kindische Mittel uns retten können. Franz Kafka erzählt den Mythos, nach seinem ersten Blutsturz im August 1917 und seiner Trennung von Felice Bauer, neu:

Beweis dessen, daß auch unzulängliche, ja kindische Mittel zur Rettung dienen können:
    Um sich vor den Sirenen zu bewahren, stopfte sich Odysseus Wachs in die Ohren und ließ sich am Mast festschmieden. Ähnliches hätten natürlich seit jeher alle Reisenden tun können, außer denen, welche die Sirenen schon aus der Ferne verlockten, aber es war in der ganzen Welt bekannt, daß dies unmöglich helfen konnte. Der Sang der Sirenen durchdrang alles, und die Leidenschaft der Verführten hätte mehr als Ketten und Mast gesprengt. Daran aber dachte Odysseus nicht, obwohl er davon vielleicht gehört hatte. Er vertraute vollständig der Handvoll Wachs und dem Gebinde Ketten und in unschuldiger Freude über seine Mittelchen fuhr er den Sirenen entgegen.
    Nun haben aber die Sirenen eine noch schrecklichere Waffe als den Gesang, nämlich ihr Schweigen. Es ist zwar nicht geschehen, aber vielleicht denkbar, daß sich jemand vor ihrem Gesang gerettet hätte, vor ihrem Schweigen gewiß nicht. Dem Gefühl, aus eigener Kraft sie besiegt zu haben, der daraus folgenden alles fortreißenden Überhebung kann nichts Irdisches widerstehen.
    Und tatsächlich sangen, als Odysseus kam, die gewaltigen Sängerinnen nicht, sei es, daß sie glaubten, diesem Gegner könne nur noch das Schweigen beikommen, sei es, daß der Anblick der Glückseligkeit im Gesicht des Odysseus, der an nichts anderes als an Wachs und Ketten dachte, sie allen Gesang vergessen ließ.
    Odysseus aber, um es so auszudrücken, hörte ihr Schweigen nicht, er glaubte, sie sängen, und nur er sei behütet, es zu hören. Flüchtig sah er zuerst die Wendungen ihrer Hälse, das tiefe Atmen, die tränenvollen Augen, den halb geöffneten Mund, glaubte aber, dies gehöre zu den Arien, die ungehört um ihn verklangen. Bald aber glitt alles an seinen in die Ferne gerichteten Blicken ab, die Sirenen verschwanden förmlich vor seiner Entschlossenheit, und gerade als er ihnen am nächsten war, wußte er nichts mehr von ihnen.
    Sie aber - schöner als jemals - streckten und drehten sich, ließen das schaurige Haar offen im Winde wehen und spannten die Krallen frei auf den Felsen. Sie wollten nicht mehr verführen, nur noch den Abglanz vom großen Augenpaar des Odysseus wollten sie so lange als möglich erhaschen.
    Hätten die Sirenen Bewußtsein, sie wären damals vernichtet worden. So aber blieben sie, nur Odysseus ist ihnen entgangen.
     Es wird übrigens noch ein Anhang hierzu überliefert. Odysseus, sagt man, war so listenreich, war ein solcher Fuchs, daß selbst die Schicksalsgöttin nicht in sein Innerstes dringen konnte. Vielleicht hat er, obwohl das mit Menschenverstand nicht mehr zu begreifen ist, wirklich gemerkt, daß die Sirenen schwiegen, und hat ihnen und den Göttern den obigen Scheinvorgang nur gewissermaßen als Schild entgegengehalten.

(Franz Kafka, Sämtliche Erzählungen, hg. von Paul Rabe, Frankfurt/M. 1970 S. 304f.)

Der Leser rätselt staunend.
Acheloos, der Flußgott hatte einen schlangenartigen Fisch als Unterleib. Herakles brach ihm ein Horn ab und aus den Blutstropfen, die aus der Wunde fielen, werden die Sirenen geboren. Deren mythische Aufgabe besteht darin, die Vorbeifahrenden mit ihrem Gesang zu verzaubern, um sie auf ihre Insel zu locken, um dort in ihr Totenreich einzugehen.
Nicht anderes als der Sog gefährlicher Meeresströmungen wird hier mythisch zitiert ... Erscheinen die Sirenen in der Urgeschichte noch als singende Göttinen des Todes und der Liebe, sind sie bei Kafka Wesen, die nur noch visuell wahrnehmbar scheinen - 'schöner als jemals' - deren Gesang ihr Schweigen ist. Die Dialektik der Wahrnehmungsebene, die schweigenden Sängerinnen, der taube Odysseus, steuert ins Paradoxe: 'Odysseus aber hörte ihr Schweigen nicht, er glaubte sie sängen...'
Oder anders: '...und gerade als er ihnen am nächsten war, wußte er nichts mehr von ihnen.' Spannungsräume bauen sich auf, Fragen über Fragen:
Warum schweigen die Sirenen?
Ist das Schweigen der Sirenen hörbar?
Muß man taub sein, um den Gesang wahrnehmen zu können?
Und wie verhält es sich mit Odysseus?
Kirke mahnt Odysseus, den Sucher, als Abenteurer unterwegs, nach neuen Erkentnissen forschend, den Gesang der Sirenen zu meiden. Odysseus stellt sich dieser Probe. In der Hoffnung, Neues zu erfahren, steuert er sein Schiff an der Insel der Sirenen vorbei. Listenreich, entgeht er der tödlichen Verlockung des Gesangs. Bei Kafka bricht Odysseus zu dem gewaltigen Mythos von den Sichtweisen der ganzen Menschheit auf, scheinbar lediglich, um seine 'Mittelchen' auszuprobieren. Odysseus als Techniker der Gegenwart, der sich weniger auf den Reiz und das Unbekannte einläßt, erscheint als dumpfer Zeitgenosse, oder doch wie im Anhang der Erzählung überliefert, als schlauer Fuchs? 'Vielleicht hat er, obwohl das mit Menschenverstand nicht mehr zu begreifen ist, wirklich gemerkt, daß die Sirenen schwiegen, und hat ihnen und den Göttern den obigen Scheinvorgang nur gewissermaßen als Schild entgegengehalten'. Die Rätselhaftigkeit der Textvorlage, die Genauigkeit der unterschiedlich dargestellten Erzählweise einer Geschichte und das Spiel mit subversivem Sprachgebrauch lassen uns in Kafkas Welten eintauchen. Neue Perspektiven, veränderte Sichtweisen entstehen...

Ein Interpret sieht es so:
Der Mythos wird ausgehebelt, aber sogleich ursurpiert, denn die Erzählung lebt ja mit ihrer ganzen Stimmung und dem Geheimnis, das über ihr schwebt, von ihm. Die schweigenden Sirenen sind der verstummte Mythos. Vor dem Verstummen des Mythos aber gibt es keine Rettung, es sei denn durch kindische Mittel, indem man nämlich dieses Schweigen selbst zu Gehör bringt. Das aber gelingt nicht eigentlich den Sirenen, sondern Kafka an seinem Schreibtisch, und indem wir, lesend, den Mythos verstummen hören, sind wir als das Publikum dieses Textes, das es nach dessen Voraussetzungen eigentlich gar nicht geben dürfte, die Sirenen, an denen er vorüberzieht.

(Peter Höfle)




Und: Heißt nicht einer der bedeutendste Filme Ingmar Bergmanns "Das Schweigen"?






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