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NJ 58
ZUBENESCHEMALI [15h17m -9°23']
β Librae

Zubeneschemali (arab. nördliche Kralle des Skorpions), β Librae im Sternbild Waage und dessen hellster Stern, steht auf der Ekliptik südlich des Äquators und hat einen unsichtbaren Begleiter, der ihn einmal in 80 Tagen umläuft. Zuben-el-schemali ist ist 120 Lichtjahre entfernt.


FARMAKONISI

Wer nachts bei ruhigem Wasser und Flaute schon auf See unterwegs war, weiß, wie weit auch leiseste Laute tragen. Als wir gegen 22 Uhr – nach besagter Begegnung mit dem Kriegsschiff – den Landfall wagen, gestaltet sich alles kompliziert. Just in der letzten Phase versteckt der Mond sich im Gewölk, auch Sterne sind keine zu sehen, die Kennung des Leuchtfeuers und der Widerschein der Positionslampen machen die Nacht noch schwärzer. Einer sitzt am GPS, wir tasten uns je eine Kabellänge nordwärts, dann eine hunderstel Minute ostwärts, am Ende, als heller Kalkstein am Ufer undeutlich auszumachen, lässt der Skipper die Lichter, um letzte Störquellen auszuschalten löschen, das Echolot zeigt stabil 12 Meter.
Unser Skipper hat gedient, und meinte, erzählt er später, im Vorwärtstasten Halluzinationen zu haben: Die Luft rundum sei vom leisen Klappern erfüllt gewesen, dem charakteristischen Klappern, das er wochenlang im Manöver oder auf Fußmärschen im Ohr gehabt, herrührend von den Ringen an den Aluminium-Klemmschnallen am Koppel der NATO-Soldaten, die zum Anhängen von Kriegsgerät dienen.
Da plötzlich, der Skipper stoppt, sieht der Ausguck vorn und wir im Cockpit das vor uns querende Schlauchboot, besetzt mit etwa acht Uniformierten, die ihre Schnellfeuerwaffen auf uns richten.

Ein der griechischen Sprache mächtiger Mitsegler erklärt, nachdem der griechische Kommandant uns barsch des Platzes verweisten - hier sei militärisches Sperrgebiet - umständlich, wir befänden uns im Frieden, in keiner unserer Karten und Handbücher sei das Sperrgebiet verzeichnet, Griechenland und die Türkei seien NATO-Partner und enge Nachbarn, bis er endlich zum Thema kommt, wir seien übermüdet und außerstande, weiterzusegeln. Dann passierte für militärische Hierarchie Einmaliges: Die Untergebenen überzeugen den Führer, uns wenigstens bis zum Ende der Nacht hier ankern zu lassen. Wir verbringen eine gesichert Nacht, denn, wie wir bei Sonnenaufgang feststellen, überzog den gesamten Hang rund um die Westbucht von Pharmakonisi

eine Kette von MG-Nestern, mit jeweils drei Soldaten in Kampfausrüstung. Das Krisengebiet ist jahrhundertelang zwischen den Nachbarn umkämpft. Wer von Kos nach Samos segelt, kommt, wie seit alters an der Insel vorbei. Vorher passiert er mehrere felsige Eilande oder Klippen, etwa in der Mitte zwischen dem Festland und der Insel Kalolimnos.
Nachdem die Crew das Schiff von Athen nach Rhodos überführt hat, sind wir von dort am frühen Nachmittag gestartet, nach Panormitis auf Symi gesegelt, nach opulentem Abendessen gegen 23 Uhr Anker auf gegangen. 00-20 Uhr des folgenden Tags war Leuchtfeuer Marmaras an Backbord querab, 07-26 die Festung Kos und 09-55 gingen wir längsseits an der Fähre Nisis Pserimos, wo wir ebenso opulent bei einer freundlichen Wirtin frühstückten, die aus dem homerischen Streit mit ihrer Konkurrentin um die Gäste als Siegerin hervorgegangen war.

Nach dem Rundgang über die einsame Insel legen wir ab, mit allgemeinem Magendrücken wegen der überölten Omelettes, segeln weiter bis zur Insel Kalimnos, wo wir im Ormos Vathy mit Heckanker und Vorleine 14-10 am Molenkopf festmachen. Nach dem Ablegen um 17-10 zwei Stunden später auf nördlichem Kurs auf Position 37°04,3’N 027°07,2’ E Nahezukollision mit der griechischem Fregatte Psara.

Bis 1996 kannte niemand in griechischen und türkischen Landen die einsamen Felsen in der Ägäis, außer den Fischern, die dort ihre Netze auswerfen und vorbeisailenden Skippern, für die N. Imia alias Kardak ohne Bedeutung ist, es sei denn als waypoint.

Diplomaten sprechen von nicht gesicherter Zugehörigkeit des Eilands, Die Chronik trägt tragikomische Züge:
Am 26. Dezember 1995 läuft ein türkisches Schiff bei N. Imia auf Grund, es weigert sich, Hilfe der griechischen Behörden anzunehmen, der Platz liege in türkischen Gewässern. Am 28. Dezember 1995 kommt das Schiff mit griechischer Hilfe frei.
Im Januar 1996 macht die Zeitung Hyriet die Zugehörigkeit von Kardak zum Thema,am selben Tag hissen Behörden auf Imia die griechische Flagge. Marineeinheiten beider Länder eilen in das Gebiet, versorgen die Fernsehzuschauer mit Bildern martialischen Kriegsgeräts, der einheimische Fischer geht wie immer ungerührt seinem Fang nach. Am 28. Januar 1996 holen türkische Journalisten, die griechische Flagge nieder, hissen Halbmond mit Stern auf rotem Grund, die griechischen Regierung lässt erneut die eigene Flagge setzen und den Vorfall vor die Weltöffentlichkeit bringen.
Die USA zwingen beide Seiten zum Abzug ihrer Marineeinheiten.
Noch während der Verhandlungen gehen 10 türkische Soldaten auf einer ebenfalls von Griechenland beanspruchten kleinen Insel an Land.

The Dodecanese (the closest island group to Imia) originally belonged to Turkey. Greece won control of the Dodecanese after the Second World War, in 1947 she was named as a successor state. Moreover Greece has enjoyed a continuos period of ownership of Imia. The Turkish position is that Imia is not an island but a rock, and therefore was not covered by the 1932 or 1947 treaties. Im Jahr 77 v. Chr. macht sich der junge Julius Cäsar, inzwischen schon leidlich bekannter Anwalt in Rom, auf den Seeweg nach Rhodos, um auf der berühmten Schule seine rhetorische Ausbildung zu vervollkommnen. Vor der türkischen Küste ereilt ihn sein Schicksal. Er fiel unter die Seeräuber.
In diesen Fällen mussten die Küstenstädte für römische Bürger Lösegeld zahlen. Die Piraten verlangen umgerechnet 1 Millionen €. Cäsar lacht sie aus:
Ihr wißt wohl nicht, wer ich bin?!
Cäsar lässt die Lösegeldforderung auf 3 Millionen erhöhen und schickt sein Gefolge nach dem Lösegeld, er selbst bleibt zusammen mit den Piraten auf Farmakonisi.

Die Banditen dürfen seinen Schlaf nicht stören, müssen mit ihm Sport treiben, selbst verfasste Gedichte anhören. Bei ungenügender Bewunderung beschimpft er sie als Banausen und fügt lächeld hinzu: Wenn ich freikomme, lasse ich euch hängen!
Das Lösegeld kommt, die Seeräuber geben ihn frei.
Cäsar eilt stehenden Fußes nach Milet, chartert Schiffe, wirbt Söldner an, stellt und überwältigt seine Entführer, lässt sie kreuzigen und - weil milde gestimmt - vorher erdrosseln.
Immer wieder erscheinen Pressemeldungen über Schlepper, die Asylsuchende in Pharmakonisi anlanden, wo Griechen nun wachen. Kommandoeinheiten sollen auf Farmakonisi Flüchtlinge misshandelt haben.

Siehe auch Dokumentation Farmakonisi



Türkische Flugzeuge über Farmakonisi