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NJ 12
MENKAR [3h2m +4°5']
α Ceti



Cetus (lat.Walfisch) ist eine langgezogene Gruppe und α Ceti, Menkar (arab.) bedeutet 'Schnabel des Walfisches', ein roter Riese, 250 Lichtjahre entfernt.
Keine andere Sage ist durch Sternbilder so gut illustriert wie die von Held Perseus, vom Flügelross Pegasus, von der Königsfamilie in Äthiopien mit der schönen Prinzessin Andromeda. Cepheus und Cassiopeia lebten glücklich, bis die Königin durch ihre Eitelkeit die Meeresnymphen beleidigte, die ein Seeungeheuer schickten. Cetus, der Walfisch, verwüstete das Küstengebiet und forderte Andromeda als Preis für seinen Abzug. Andromeda wurde angekettet und ihrem Schicksal überlassen. Aber als das Ungeheuer kam, nahte auch Perseus, ein Sohn des Zeus, der soeben mit Flügelsandalen von gefährlicherr Heldentat zurückkehrte. Er hatte Medusa, Mutter des Wunderpferdes Pegasus, getötet, die jeden in Stein verwandelte, der sie ansah. Perseus erschlug Cetus und gewann die schöne Andromeda. Alle diese Gestalten sind am Himmel verewigt.





HEIDEGGER
DELOS

Wer, nachdem er den heiligen Berg auf gehauenen Stufen erklommen, den Blick in windig klarer Luft übers Ägäische Meer schweifen lässt, sieht Mykonos, Naxos, Paros, Syros und Tinos kreisförmig gelagert, sieht deutlich am heller werdenen Wasser nahe der Mole, wenn es zur Ruhe kommt, die Lage des alten Hafens.
Nicht der Rede wert fand es Homer, daß Odysseus auf der Rückkehr von Troja hier festmacht, weil selbstredend jedes Schiff Gott Apollo hier Weihgeschenke darbringt und den größten Sklavenmarkt der Antike auf halbem Weg zwischen Kreta und den Ionischen Inseln besucht. Die Helden schreiten entlang der Löwen aus naxischem Marmor, Richtung Osten brüllend, heute nahezu abgewittert.
In den Kanal von Delos sind wir nordwärts eingelaufen und werfen in der Fourni-Bucht Anker. Wenig später kommt von Norden eine Yacht, ankert eine halbe Kabellänge voraus. Das englische Paar - sie überführen ihr Schiff von St. Raphael nach Kusadasi – lädt uns bei Sonnenuntergang auf einen Schluck Rotwein ein. Er war Hochschullehrer, sie las Being and Time.
Es wird eine ruhige, sternklare Nacht, wir schwimmen an Land, streifen durchs delische Dunkel, die Luft erfüllt vom Duft der Kamille und dem Rascheln der Echsen im Gras.


Nach dem Start in Venedig und Besuch von Olympia wird in Delos ein Paar aus Deutschland anlanden, er widerwillig reisender Philsophieprofossor, sie Angst einjagende Ehefrau Elfride, die ihm diese Reise geschenkt und unterwegs aquarelliert.
In der venezianischen Lagune notiert er, verwirrt vom Wetter:
Vergangenes, aber kein Gewesenes, das sich in ein Bleibendes versammelt, um sich den Wartenden neu zu schenken. Die Geschichte selbst ist vollkommen aus dem Übriggebliebenen gewichen, widersinnig wie alles, was er schrieb.
In Venedig kann er keine Gesammeltheit fürs Gewesene finden. Gewesen war es 1937. Da hatte er, nachdem er seine Lesung mit dem deutschen Gruß begonnen, im Hörsaal verkündet:
In derBetäubung durch das Historische weichen wir der Geschichte aus. Ausgewichen ist der Sohn seiner Familiengeschichte, wenn er erklärt:
Auch mein Vater hat Widerstand geleistet (Hermann H.)

Dunkle Ahnungen sucht er mit Homer- und Heraklit-Lektüre an Bord der Jugoslavija im Frühjahr 1962 zu vertreiben, endlich, in Delos schließlich die lang gehegten Besinnungen auf die alétheia, auf die Verhältnisse des Entbergens und Verbergens, die gesuchte Bewährung, weil ihm doch nach all der Irrfahrt durchs Nach-, Vor- und Ungriechische dieses Eigene verlangte. Hieß diese Insel doch offenbar, deutlich, sichtbar – einfach nur die Offenbare, die Scheinende, die alles in ihr Offenes versammelt, alles durch ihr Scheinen in eine Gegenwart birgt.
In seiner Annäherung an das, worüber er, ohne es je gesehen zu haben, getreu Old Shatterhand schon alles gewusst und noch mehr geschrieben hatte, erkennt er: Das Abendländische hob mit der Übersetzung, und zwar als Geschichte einer Verstellung an. Die abendländische Auslegung des Seins des Seienden mit ihrer Bestimmung der Dingheit des Dinges als der Substanz mit ihren Akzidenzien beginnt mit der Übernahme der griechischen Wörter in das römisch-lateinische Denken. Die Bodenlosigkeit des abendländischen Denkens beginnt mit diesem Übersetzen.
Bodenlos.
Und seine Fahrt nach Delos geschieht selbstredend unter seinsgeschichtlichen Wegmarken,
Folgen wir seinem Rat:
Wir können nur entweder uns auf den Weg machen zum Anfang, oder aber ihm ausweichen.
Die Chiffre dim. 13.10.09, im Eintrittsbuch des Novizats Tisis bezeichnet das Scheitern der Aufnahme in die Gesellschaft Jesu und steht für dismissus.Vorwand: Herzbeschwerden. Die müssen auch später herhalten für Befreiung vom Wehrdienst. Er entwickelt eine Spache mit Begriffen wie Ruinanz, Prästruktion, Larvanz, Reluzenz, die Ausdruck seiner Verschrobenheit sind. Sie lenken den Blick in sein Inneres ab, die paranoide Angst vor negativen Bewertungen seiner Person wächst. Er bereitet den Aufstieg vom heimlichen König der Philosophie zum größten Denker des Abendlandes vor zum Preis für die zunehmende Abspaltung des privaten Selbst in der Form der Verstiegenheit.
Exempel: Sein Umgang mit dem vier Jahre dauernden intimen Verhältnis zur Studentin Hannah Arendt: Er wahrt das Bild des treuen Ehemannes. Heimlich trifft der Gelehrte die Geliebte, verlangt extreme Selbstverleugnung, zwingt sie, Marburg zu verlassen, um seinen Ruf zu erhalten. Hannah nennt das starre Hingegebenheit an ein Einziges, beruhend auf seiner Seelenführer-Selbstinszenierung. Die Dunkelheit von Sein und Zeit erhöht den Nimbus.
Seine Rektoratsrede, wo er drei Bindungen in den Mittelpunkt stellt:
Arbeitsdienst, Wehrdienst und Wissensdienst, Philosophie?

Der Kontakt zu seinem privaten Selbst ist verloren, er verbrämt seine Verstrickung in den Nationalsozialismus, nennt sie überpersönliches Schicksal, später Versehen. Vor einer akuten Psychose hat ihn einzig bewahrt, dass er trotz ergebnislosen Suchens nach dem Eigenen und Eigentlichen hinsichtlich der eigenen Identität es verstand, ein Publikum mit dieser Suche im Öffentlichen zu interessieren. Er wendet sich Hölderlin zu, entwickelt eine eigene Sprache, sein Sein wird Seyn, er will nicht verstanden werden, sondern Schlupflöcher stopfen.
Die Innigkeit jener Götterung des Gottes der Götter - Zeichen von Geistesstörung?
Die manierierte Sprache ist Ausdruck der Unfähigkeit zur Scham, er hat sich verstiegen, den Abstieg verbaut. In Todtnauberg läßt eine Nobelpreisträgerin, Jüdin, Martin seine jüdische Geliebte Hannah wieder treffen. Er, banal wie Eichmann böse, wird sie brutal mit der Axt schlachten.

Und in Gesines Tagen taucht Hannah, Kettenraucherin mit scharfer Zunge, als Gräfin Seydlitz auf, weil Hannah Freund Uwe verboten hat, ihren richtigen Namen zu nennen.
Wer den Begriff Heidegger in google eingibt, bekommt etwa 1 Millionen Fundstellen geliefert, z.B. auch diese:
Die Nichtung läßt sich nicht in Vernichtung und Verneinung aufrechnen. Das Nichts selbst nichtet.
W. G. Sebald über Heidegger:
"Für die falsche Anschauung weiß ich kein besseres Beispiel, als das Unwesen, das die Hüter und Heger des deutschen Geistes, allen voran der Freiburger Rektor mit dem Hitlerbärtchen, mit dem armen Hölderlin trieben."