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Odysseus, Urvater aller Fahrtensegler, war ein wilder, aber auch besonnener Skipper, der
vor nichts zurückschreckte.
Die Profi-Fahrensmänner transportieren was - hat Sinn.
Wenn man allerdings an Bananendampfer oder Atom-Müll-Transporter oder marode Tanker denkt,
dann gerät man wieder ins Grübeln: Warum werden Tonnen unreifer Bananen
über Ozeane gesailt und tun sich nicht alle an ihren einheimischen Früchten gütlich?
Es gab Tage auf dem Atlantik, an denen sich der Horizont nach allen Seiten ins
Unendliche erstreckte. Tage, an denen Himmel und Meer dieselbe tiefblaue Farbe
hatten, an denen eine scharfe Sonne aufgebrachte Wassermassen beleuchtete
und kreideweiße Brecher zu Schaumstreifen auseinandergeblasen wurden.
Tage, an denen das Schiff sich in den gewaltigen Wellenbergen wälzte, während
ein felsenharter Wind Wasserdampf aufrührte, der am Bug kurzlebige Regenbogen
aufblitzen ließ. So mancher hätte für solche Tage sein Leben gegeben,
bildlich gesprochen zumindest. Die meisten hätten allerdings alles gegeben,
um sie gerade nicht erleben zu müssen, und das vermutlich aus Furcht vor dem Tod.
Oder vor dem Leben.
Warum wir zur See fahren
Über die Gefühle seines Helden beim Segeln hat Homer sich nicht ausgelassen -
allenfalls an versteckter Stelle.
Das alter ego Björn Larssons, eines anderen Fahrtenseglers, hat auf die Frage
nach dem Sinn des Segelns geantwortet:
"Wozu es gut sein soll?... Das ist eine komplizierte Frage... Vielleicht
könnte man sagen, Segeln hilft, die eigene Vergänglichkeit zu ertragen...
Für mich ist das Leben wie das Kielwasser eines Schiffes.
Einen Augenblick, nachdem wir vorübergefahren sind, erinnert nichts mehr
daran, daß wir jemals waren..."
Wenn wir ehrlich sind: wir fahren um unser selbst willen.
Weil wir uns stark genug fühlen, trotz oder wegen unserer angegrauten oder weißen Haare
und Bärte solche Abenteuer zu bestehen.
Oder, was für die Jüngeren wohl eher zutrifft, zu erfahren, ob so etwas unter diesen
vielfältigen Bedingungen Spaß macht, um es wieder und wieder zu wiederholen.
Wollen wir alle etwas 'er-fahren'?
Wenn wir, LF, Autopilot, GPS, Radar und Kartenplotter seis gedankt, immer wissen,
wohin es geht auf dem Meer, wohin es mit uns geht, wissen wir nicht.
Wollen wir uns erfahren? Und der gute Kant, hatte der Erfahrung?
Er kam nie über Königsberg hinaus... Seine Philosophie: Geträumte Törns?
Halten wir uns und unseren Planeten heil, damit wir noch lange die anderen Planeten
in sternklaren Nächten am Firmament glitzern sehen, wenn der rauschende Bug im
Meeresleuchten dahinzischt: eigentlich muß Amadée --> das gekannt haben, um seine
Musik der Menschheit zu schenken!
I
dieses feuer beweist nichts,
es leuchtet, bedeutet:
dort ist ein feuer,
kennung: alle dreißig sekunden
drei blitze weiß, funkfeuer:
automisch, kennung SR.
nebelhorn, elektronisch gesteuert:
alle neunzig sekunden ein stoß.
II
fünfzig meter hoch über dem meer
das insektenauge,
so groß wie ein mensch:
fresnel-linsen und prismen,
vier millionen hefnerkerzen,
zwanzig seemeilen sicht,
auch bei dunst.
III
dieser turm aus eisen ist rot,
und weiß, und rot.
diese schäre ist leer.
nur für feuermeister und lotsen
drei häuser, drei schuppen aus holz
weiß, und rot, und weiß. post
einmal im monat, im luv ein
geborstner wacholder,
verkrüppelte stachelbeerstauden.
IV
weiter bedeutet es nichts.
weiter verheißt es nichts.
keine lösungen, keine erlösung,
das feuer dort leuchtet,
ist nichts als ein feuer,
bedeutet: dort ist ein feuer,
dort ist der ort wo das feuer ist,
dort wo das feuer ist ist der ort.
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Sollte es uns an Sportsgeist, Elan und Abenteuerlust mangeln?
Mitnichten.
Querung des Nullmeridians auf der Themse Die stundenlange Kreuz gegen den Strom im Makronisos-Kanal. Der Kampf um Höhe auf Nordkurs von Troja zurück ums Kap Baba Burnu bei Sturm und See gegenan. Das Schiff stampft sich fest. Gischt sprüht übers Deck und Cockpit. Die Crew ist todmüde und erschöpft. Irgendwann fällt sie total erledigt in die Kojen. Nächtlicher Landfall Pharmakonisi im Blindflug. Wir werden aufgebracht von schwer bewaffneter griechischer Marine. Die Falle Tristoma-Bucht. Nächtliche Rettung durch Kameraden. Sturmfahrt von Mykonos nach Syros - auf einem Kiel.10 kn Schnitt. Oder bei 9 Bft vor dem Wind, nur mit Sturmfock, von Pholegandros bis Santorin. Nachts über die Adria Kurs Venedig - Eiseskälte - 40kn Wind - Genauschot bricht - Reffroller rauscht aus - wir müssen zurück Beim nächtlichen Verholen (9 Bft auf Leegerwall) legt Fischernetz Schraube und Motor lahm - Schwede bringt in letzter Minute Hilfe - Auslaufverbot wegen Sturmes für Hilfsschiffe - unter Segeln in Kea Anker auf und in Lavrion ab - nach Schwerwettersegeln durch Makronisos-Kanal
Nachts vor dem Stromboli - wilde Seegewitter ziehen durch -
armdicke Blitze - die Luft zischt von den Entladungen
Unsere Flotte quert nachts den Golf von Antalya -
Landfall Great-Britain:
Einen Tag lang Aufkreuzen nach Falmouth:
Nur mit Genua, hoch am Wind rund Meganisi und weiter nach Ithaka:
Fesstgekommen im Lauwersmeer: Niedrigwasser! |
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Erst wenn ein Mann ein Boot fährt, ist er wirklich frei. Sein einziges Gefängnis ist dann der Horizont. |
"Viel mehr
braucht es nicht auf dieser Welt
als
raumen Wind,
Sonnenuntergang,
Seegeräusche,
warme Langusten,
gutes, grobes Brot
und etwas Rotwein..."
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Und Nietzsche?
Seit ich des Suchens müde ward,
Niedersank der Tag. Aus dunklen Toren
Ohne Steuer, jetzt vom Land gestoßen,
Selig wie erlöste Geister schwanken
Und ein Albatros im Schiff zu Gaste
Seh ich Wolkenzüge windgetragen?
Ferne durch zerissne Nebel blinken
Erlernte ich das Finden.
Seit mir ein Wind hielt Widerpart,
Segl' ich mit allen Winden.
Schlummerflocken
Sternenäugig wird die Nacht geboren.
Schwebt die Seele überm Bodenlosen.
In dem Kahn der Nacht die Traumgedanken,
Breitet weiße Schwingen überm Maste.
Sind’s Gebirge, die aus Traumland ragen?
Seines Wunderports Korallenzinken.
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Das Gewoge lullt uns ein in einen müden Rausch von leeren, halb bewußtlosen Grübeleien, bis wir von uns selbst nichts mehr wissen. Die unergründliche See zu Füßen wird zur tiefen, blauen, unermeßlichen Seele der Welt, und all das Flüchtige, blinzelnd Wahrgenommene, eine aufzuckende Erscheinung, ein sekundenschnelles Bild, die Flosse eines Traumwesens sind wie Gedanken, die sich nicht fassen lassen, und fluten ohne Unterlaß. So verzaubert, ebbt der Geist zu seinem Ursprung zurück und löst sich auf in Zeit und Raum, bis er schließlich in allen Küsten des Erdballs aufgeht. Herman Melville, Moby-Dick |
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