













Guernsey (Bailiwick of Guernsey) ist die zweitgrößte der britischen Kanalinseln, die weder Teil des Vereinigten Königreiches noch eine Kronkolonie, sondern als crown dependency direkt der britischen Krone unterstellt gesonderte Rechtssubjekte und deshalb auch nicht Teil der Europäischen Union sind. Mildes, mediterranes Klima zeichnet sie aus, die Nationalpflanze "Guernseylilie" findet sich in jedem Vorgarten.
In der "Blechtrommel", dem bekannten Roman von Günther Grass,
findet sich ein Gedicht, dessen Anfangszeilen lauten:
Noch waffenstarrend, mit getarnten Zähnen,
Beton einstampfend, Rommelspargel ...

Nur wer die Kanalinseln - Ziel vieler Fahrtensegler aus ganz Europa - besucht hat, versteht das...
Rommelspargel ist nicht etwa ein Gourmet-Gericht, sondern eine heimtückische Erfindung.
1940: Nach der Eroberung Frankreichs durch die Nazis fürchtet Guernsey den Angriff Groß-Deutschlands und interniert
die auf der Insel ansässigen Deutschen und Österreicher. Am 20. Mai verläßt die Biarritz mit 1.000 Soldaten, dem Vizegouverneur samt seiner Familie und britischem Verwaltungspersonal Guernsey, die Insel ist komplett entmilitarisiert. Zahlreiche Kinder werden nach England evakuiert, viele sehen ihre Eltern nie wieder.
Am 30. Mai landen fünf Junkers-Truppentransporter, die deutsche Wehrmacht besetzt die Insel, nicht auf Guernsey geborene Briten werden im Lager Lindele in Biberach an der Riß interniert, die Insel soll Basis der Angriffe auf England werden. (Auf Alderney läßt die SS das Konzentrationslager Aurigny („Lager Sylt“) als Außenstelle von Neuengamme bauen, in dem vor allem osteuropäische Zwangsarbeiter gefangen sind.)
1942: Nach der missglückten Landung kanadischer Alliierter bei Dieppe im August befiehlt Hitler die Befestigung der gesamten 5.000 km langen Westküste zu einem "Atlantikwall". Die Arbeiten übernimmt die Organisation Todt, die bis Juni 1944
Bunker aus Beton in unfassbarer Zahl (8119!) errichtet.
1943: Ab November treibt Rommel die Arbeiten voran. Er hat entsetzt festgestellt, dass die Hitler-Propaganda vom "Atlantikwall" nichts als Bluff war. Unendliche Mengen an Stahl und Beton läßt der Generalfeldmarschall verbauen, die Ressourcen an Mensch und Material stoßen an ihre Grenzen (man demontiert sogar Teile der Maginot-Linie und alte deutsche Grenzbefestigungen und schmilzt sie ein). Der ständige Stahlmangel zwingt zum Verzicht auf drehbare stählerne Panzertürme. Die Geschützstellungen baut man als Tunnelbatterien oder Kasematten, was ihr Schussfeld stark einschränkt.
Wegen der geringen Verteidigungstiefe des Atlantikwalls läßt Rommel Strände und Brandungszonen verbarrikadieren. Es kommt der genannte Rommelspargel zum Einsatz, ein raffniniertes Hindernissystem aus Rohren, dazwischen gespanntem Draht und Minen.
Meist Zwangsarbeiter graben 4 bis 5 Meter lange Baumstämme an den Stränden bis zu zwei Meter tief ein, die Stämme in Stahlröhren werden so postiert, dass sie bei Flut möglichst knapp unter der Wasserlinie verschwinden und den anlaufenden feindlichen Schiffen und Booten Schäden am Rumpf zufügen. Die Reste des "Rommelspargels" stellen begehrten Rohstoff für die Alliierten dar: sie verwenden sie als Zinken für die Sherman-Panzer.
Am "Atlantikwall" in Frankreich arbeiten insgesamt 291.000 Mann, Baustellen mit bis zu 1000 Mann sind keine Seltenheit. Es kommt häufig zu Sabotageakten, was die Bauarbeiten, zusätzlich zur Gefahr durch den in der Luft immer stärker werdenden Gegner, erheblich erschwert.
Und das Ergebnis?
Die Atlantikwall-Stellungen in der Normandie halten der sorgfältig geplanten Invasion der Alliierten nur einen Tag stand (Operation Neptune). Der schnelle Vorstoß auf Paris und Berlin beginnt, der Wall spielt im weiteren Verlauf des Kriegs keine entscheidende Rolle mehr.
Und heute?
Bunker sind in Gärten integriert, auf Aldernay werden Bunker-Partys gefeiert, 1961 wird eine Channel Occupation Society mit dem vielsagenden email-Logo
zu dem Zweck gegründet, to study all aspects of the German military occupation of the British Channel Islands during the Second World War. The society organises guided tours, excursions and talks throughout the Islands and France.
Im gut besuchten Occupation Museum bestaunen Einheimische und Touristen den Wahnwitz,
den unsere Vorfahren in Wort, Schrift und Tat vor gut 60 Jahren hier (und anderswo) veranstalteten...
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