A L I M N I A
























































































































Wer nach Alimnia einläuft und dann abdreht nach Steuerbord, um dort zu Füßen der ehemaligen Wehrmachtsunterkünfte in der Bucht, die vollkommenen Schutz (dennoch ausgeprägte Fallböen!) bietet, zu ankern, kann eine Achterleine zu einem Beton-Steg legen, der aus der Besatzungszeit stammt.



Alimia, oder Almia, meist aber Alimnia, gehört zur ägäischen Inselgruppe Dodekanes. 5 km lang und 4 km breit, bis 274 m hoch, liegt die Insel je gut 4sm westlich von Rhodos und östlich von Chalki. Zusammen mit der südlich gelegenen Felseninsel Tragoussa mit Leuchtfeuer bildet sie fast ein Fragezeichen - im Westen schneidet die Bucht Ormos Amelias tief ins Innere ein.



Die teilweise bewaldete Insel verfügt über Quellen, zweitweise wohnen wenige Schäfer hier. Einmal im Jahr kommen ehemalige Bewohner oder deren Nachkommen zu einem Fest hierher - oft von weither, etwa aus den USA. Den Gipfel der Insel krönt die Johanniterburgruine.



In den verfallenden Unterkünften - sie sind Sperrgebiet, um das sich aber niemand kümmert - findet man Ölkreidewandbilder - heute Graffiti genannt, die von deutscher Heimat, vom Inselskat und von Landserträumen künden.





Im 2. WK verstecken sich hier deutsche Schnell- und U-Boote vor den Alliierten, die Nazi-Armee will eine Funk- und Radarstation einrichten, 1944 deportiert sie die Einwohner - weil sie angeblich Kommandounternehmen der Briten unterstützen, die den Auftrag haben, U-Boote zu orten...



Die Fischer lieben dieses Land, Abende unter einer Petroleumlampe, die stille Bucht, die türkisgrünen Fischgründe, die Winter, den lang ersehnten Regen, die Zeit, wenn Schafe lammen, die Festtage, an denen ein Pope aus Rhodos kommt. Dann wird die Kirche gefegt, die kleine, zwischen den Steinhütten am Strand - die größere auf der vereinsamten Landzunge bleibt leer - eine Ikonostase, der man die Heiligen aus den Rahmen geschlagen hat.







Das waren die Besatzungssoldaten, sagt der Fischer, am Ende des Krieges. Sie haben alles zerstört.
Das ist lange her, sagt Nikolaos mit einer wegwerfenden Handbewegung.
Während der archäologischen Untersuchungen ab 1991 finden die Forscher Hinweise auf prähistorische Schiffskörper und Steinzeitgefäße in den Buchten von Alimnia, die auf eine dichte Besiedelung der Insel schließen lassen. Große in den Fels gehauene Slipstellen und Hellinge belegen das. Die Grabungen sind noch nicht abgeschlossen, aber sie deuten darauf hin, dass hier ein reger Werftbetrieb geherrscht haben muss.
Auch sonst finden sich bedeutende antike Überreste entlang der Ufer der Bucht, etwa auf halbem Weg zur Ostseite der Insel. Dort an ihrer Südseite sind Fundamente eines großen rechteckigen Gebäudes sichtbar. In der Mitte des hinteren Endes der Bucht gibt es die Apsis einer Basilika, auch die Ostwand des nördlichen Seitenschiffs ist noch erkennbar.
Plinius nennt die Insel Evlimnia und erwähnt zwei großen Buchten, heute wohl Emporio und St. Georg. Die Kreuzritter unterhalten oben auf dem höchsten Punkt für ihre rhodesische Flotte eine Sternwarte, Wach- und Narichtenstation, erbaut 1475.
Um die große Bucht im Inneren entsteht eine große Siedlung, über die Jahrunderte wechseln die Herrscher.



Zwischen 1912 und 1944 sind es zuletzt die Italiener und die Deutschen.
1944 schleichen sich fünf englische Offiziere ("Alimnia-Patrol") mit Hilfe zweier Einheimischen ein, werden gefasst, Kurt Waldheim veurteilt sie in Thessaloniki getreu Hitlers völkerrechtswidrigen Befehl als Spione, obwohl sie in Uniform als Soldaten erkennbar und damit Kombattanten sind. Was diesem schrecklichen Juristen (Gründer der Comagena Tulln, Motto: Wir gestalten die Zukunft durch unser Werteverständnis aktiv mit und halten nicht aus reinem Selbstwillen an verstaubten Traditionen fest. Jung und flexibel bleiben und dabei aus dem Alten lernen. Glaube, Heimatliebe, Wissen und Freundschaft sind vier Werte, die in der heutigen Zeit aktueller sind denn je. Seit über 75 Jahren hat sich unsere Gemeinschaft diesen Werten verschrieben und setzt sie auch heutzutage modern um.) nicht zum Nachteil gereicht, er wird Generalsekretär der UNO und Präsident Öterreichs.
1988 ermittelt eine internationale Historikerkommission, dass er keine Verbrechen begangen, aber Detailkenntnisse von Mordbefehlen, Deportationen und Morden in seiner Umgebung gehabt hat. Er habe deren Ausführung einige Male erleichtert, etwa durch Weitergabe von „Feindlageberichten“.



1960 verlassen die letzten Bewohner für immer die Insel.
Seit 2011 kursieren Gerüchte, dass die Gemeinde Chalki, zu der Alimnia gehört, die Insel an Privatinvestoren verkaufen oder verpachten will - sie ist nach wie vor touristischer Anziehungspunkt.
Der Großvater des Wirts in Chalki erzählt nach dem Essen in fließendem Englisch:
The seven commandos themselves were captured on the spot by the Nazis, bundled off first to Rhodes, then to Thessaloniki, where six were summarily executed as spies rather than regular prisoners of war; future Austrian premier and UN Secretary General Kurt Waldheim (died 2007) allegedly countersigned their death sentences.

Zitat Hobby-Militär-Historiker:
Nach einem Bericht des Kdt. Ostägäis nehmen am Unternehmen "Münchhausen" die Boote C, F, D und O von der PiLaKo 780 und das Motorboot MALONA vom Flottillenkdo Rhodos teil. An einem versteckten Segler in Alimnia werden fünf Gefangene gemacht, auf einem griechischen Fischerboot in der Nähe, das MALONA kontrolliert, fünf weitere, unter ihnen Hauptmann Blyth. Eines der Boote der Flotte ist ein großes Sturmboot, es existieren Fotos.
Die ganze Sache kommt im Zuge der Waldheim-Affäre in den 70er Jahren in die Presse, als bekannt wird, dass außer Blyth alle Mitglieder des Commandos erschossen wurden (siehe ) .
Gavin (er recherchierte die Ereignisse):
The SBS amounted to around 100 men and caused a huge amount of trouble to the Germans, given how few of them they were. The raid that Evans went out on was to perform a reconnaissance trip on an island called Alimnia which was to be used as a stopping-off point for an attack on the main radar base for the area.
The squad of five SBS, three Royal Navy and two Greek civilians set off on April 6, landing on the island west of Rhodes the next day. The plan soon turned to disaster with the arrival of two boat loads of German soldiers. Both sides had spies and the Germans had found out about the mission and sent men to the island to capture the British.

The three Navy men and two Greeks were quickly captured but the SBS men on the island managed to stow away on a Greek fishing boat harboured on the other side of the island. They attempted to escape but they were boarded by the Nazis and the SBS men, including George, were found under a tarpaulin. They were taken to Rhodes and their commanding officer, Bill Blyth, was taken to Athens for questioning. The four SBS men were flown to Salonika for questioning. Evans fed the Germans wrong information about the SBS.
They were incredibly brave. Unlike today, the special forces back then had no training about how to deal with interrogation so to do what they did, particularly Evans, was amazing. Back at home, all the families of them men knew was that their sons, brothers and husbands were "missing", and so it remained for years. We know that Bill Blyth was tortured and told the Germans some of what he knew about the SBS but kept key information secret. He was saved by the commander of the PoW camp he was in who refused to give him up to the Gestapo and then by the D-Day landings.


Hitlers sogenannter Kommandobefehl von 1942 verlangt die Tötung sämtlicher Angehöriger alliierter Kommandos ohne Rücksicht darauf, ob sie als Kombattanten anzuerkennen waren:
Von jetzt ab sind bei sogenannten Kommandounternehmungen in Europa oder in Afrika von deutschen Truppen gestellte Gegner, auch wenn es sich äußerlich um Soldaten in Uniform oder Zerstörungstrupps mit und ohne Waffen handelt, im Kampf oder auf der Flucht bis auf den letzten Mann niederzumachen ... Selbst wenn diese Subjekte bei ihrer Auffindung Anstalten machen sollten, sich gefangen zu geben, ist ihnen grundsätzlich jeder Pardon zu verweigern ... Dennoch in Gefangenschaft geratene Soldaten der Kommandos waren dem Sicherheitsdienst (SD) zwecks "Sonderbehandlung" zu übergeben.
Zahlreiche Berichte über Kommandoangehörigen-Angelegenheiten liefen über Waldheims Schreibtisch. Der Ordonnanzoffizier 3 (O3) war zuständig für Gefangenenvernehmungen. Als am 26. April 1944 eine Anfrage der Heeresgruppe E Ic/AO (Feindlage/Abwehr-Offizier) an Oberbefehlshaber Südost Ic/AO folgenden Inhalts- "Weitere Vernehmung englischen Alimnia-Commandos ergebnislos. Entscheid, ob Gefangene jetzt SD auszuliefern, erbeten ..." - abgeschickt wurde, war Waldheim in Arsakli anwesend. Dass er von diesem das ganze Procedere beschleunigenden Schritt in seinem Verantwortungsbereich nichts gewußt hat, ist so gut wie ausgeschlossen. Waldheim hat das Alimnia-Kommando betreffende Vorgänge am 21.4., 24.4. und 29.4. 1944 paraphiert.

Hoch oben, 268 Meter über dem Hafen, haben einst die Kreuzritter gehaust: in einer Bilderbuchburg, schmal wie ein Ausrufezeichen, auf einen Felsen gekrallt, um Feuersignale nach Rhodos hinüberzuflammen. Das Kastell war Teil des genialen Nachrichtensystems der Johanniter. Die Ritter nutzten Sonnenreflexionen mittels Spiegeln, um Rhodos lange im Voraus vor Invasoren von See zu warnen. In einer halben Stunde errreichen wir den vom Zahn der Zeit zernagten Burgstumpf – ein Aufstieg, bei dem man mit jedem Schritt neue Horizonte gewinnt, sonnengetränkte Fernen, von Inseln durchschimmert, Träume,



die niemand bewohnt. Wo die Bäche des Frühlings niedergehen, sind grüne Schneisen zurückgeblieben, Stauden wilden Majorans tauchen die Hänge in einen Taumel aus Duft, und der Himmel über Alimnia zittert vor Licht. Eine Felsrampe führt bis vors Burgtor, dann bricht sie senkrecht ab über einem Verlies, dessen Decke eingestürzt ist. Im selben Augenblick, wo man hinabschaut, prescht eine Schafherde auseinander – die vierzigköpfige Herde der Inselbewohner. Wie gelbe Wollbälle jagen sie über die Halden, von einer Staubfahne gefolgt, hoppeln auf die nächsten Dornbüsche zu, vor denen sie lauschend anhalten, dem Schrecken entronnen.



Verlassene Felder ringsum, sorgsam planierte Terrassen, vom Winde gefegt. Dieser Boden muss einmal Hunderten Nahrung gegeben haben. Hunderte müssen an diesem Ufer gesiedelt haben, auf dem sich die Fundamente von Generationen staffeln. Der Boden ist gut. Aber die Einsamkeit – wer will da schon wohnen?
Man kann es in Rhodos besser haben. Unter unseren Füßen knirscht Marmorschutt. Welche Schätze würden hier zum Vorschein kommen, wenn man zu graben begänne...



Und welche Welten öffneten sich vor dem Auge, wenn man an dieser Küste den Meeresspiegel durchtauchte. Die Schiffstrümmer der Vergangenheit sind unkenntlich geworden, aber Legionen mit diesen Schiffen gesunkener Amphoren halten einem noch immer ihre runden offenen Münder entgegen. Schwärme streifiger Fische strömen vorbei an dem getöpferten Hausrat vieler Jahrhunderte, und die Sonne wirft ein Netz rhombischer Maschen darüberhin. Geheimnis Alimnia.



Beim Abschied winken die Dörfler nicht. Sie gehen wortlos an ihre Arbeit, als hätte nichts ihren Tageslauf unterbrochen. Am Spätnachmittag melken sie ihre Schafe und füllen die Lampen auf. Zwei Esel schluchzen den Abend ein, und Nikolaos erweckt mit einem Schlag seines Zweikilohammers den Schiffspuls. Bräunliche Schatten dampfen aus den Hügelsenken, wenn der Kutter sich von der Küste löst und hineinstößt in die flimmernde Lichtstraße nach Osten, die das Libellenblau des Meeres teilt, Alimnia nimmt wieder den Schleier und bleibt zurück am Ende einer Spur aus gehämmertem Silber.










Wie lange noch?


















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