Gewidmet Hans-Joachim Herrmann + 2008





Odyssee Bayrisch





ERSCHTA GSANG

Wia daß-s o'geht

Muserl varrod-ma den Mo, den wo-s aso bäs umanandghaut
hod, wia de heilige Stod vo Troja is zgrundganga damois,
wo sovui Städt vo de Menschn hod gsehgn und aa gneißt, was-s an Sinn ham,
wo aufn Meer sovui Schmerzn hod durchgmacht ganz tiaf in sein Herz drin,
daß-a si söim und seine Kameradn aa wieda guat zruckbringt.
Aba de Freund hod-a nimma darrett, sovui-a-si plagt hod,
wei de ham-si ja oiß mit eanana Schandtat vadorbn,
deppate Hund!, was müaßn-s von Sunna-Heli äs Rindviech
fressn! Aba der hod eana d'Hoamfahrt na richti vamasslt.
Göi, vo dene, mei' Muserl, vazöist uns scho aa no a weng was!

Alle andern san iatz scho dahoam gwen, soweit-s an Vaderbn,
wiar an Kriag oder aa an Meer, harn auskemma könna.
Eam alloans, wo Zeitlang ghabt hod nach hoam und zun Weiberl,
hod de herrische Nympfn, dös Teifiswei, de Kalypso,
z'ruckghoitn in seina bucklatn Grottn und woin, daß-a-s heiratt.

Und sogar wia dös Jahr scho da war im Lauf vo die Zeitn,
wo die Heilinga graoant harn, iatz kanntn-s-n hoamfahrn lassn,
is der Mo' oiwei no ned durch oiß, was zwidar is, durchgwen
und aa no ned bei die Seina; die Heilinga hod-a scho leid to,
außan Poseidon, der hod no oiwei a greisliche Wuat ghabt
auf den varecktn Odysseus, solang wiar-a no ned dahoam war.

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Da Kalypso is vo obn o'gschafft worn, daß-s an Odysseus ned länga
z'ruckhoitt; der hod-si a Floß baut und is damit aufs Meer außi. Nach
ara recht unruhign Fahrt hod-s-n - ohne Floß und ohne Gwand - ans Land
vo die Fiaka hi'gschwoabt; da is-a na ei'gschlaffa.

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An Odysseus sei' Bua, da Telemax, kimmt vo ara Roas zruck, wor-a sein Vodan gsuacht hod; da Peny ihrane Hochzeita ham-an umbringa lassn woin, aba ned dawischt.

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SECHZEHNTA GSANG

Wia da Telemax an Odysseus kennt


In da Hüttn de zwoa, dar Odysseus midn himmlischn Sauhirt,
ham-si s-Frühstück gmacht in da Frua am brinnatn Feua,
na ham-s d-Hüata weggschickt mid de Säu, wia-s oißamm beinand warn.
Um an Telemax ham iatz die Hund, wo sunst sovui böit ham,
staad midn Schwoaf bloß gwedlt, da san an zeama Odysseus
aufgfoin de sohmeichlatn Hund, und an Tritt vo die Schritt hod-ar aa ghört.
Schnöi hod an Eymaisl da er die fliagate Red ummilassn:
"Eymaisl, kimmt-n da net daher a deiniga Spezi
oda sunst a Bekannte, wei d-Hund, de böin übahaupts ned,
wedln tean-s mid die Schwoaf, und i hör an Tritt vo die Schritt scho."
Abar er hod no ned ausgredt ghabt, da steht scho am Ei'gang
pfeigrad sei' liaba Bua. An Sauhüata hod-s aso grissn,
daß aus die Händ eam da Mixbecha gfoin is, den hod-a grod ghoitn,
daß-a den spritzign Wei' vadünnt - entgegn sein Moasta
is-a groast, hod-n busslt am Kopf und auf die zwoa Guckerl,
und auf d-Händ aa, und dabei san d-Wassaburga ean kemma.

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Wia da Sauhirt in d-Stod geht, damid daß-a da Peny möidt, daß da Telemax wieda da is, winkt d-Athene an Odysseus aus da Hüttn außa und sagt zu eam:

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"Gottgebna Soh' von Lertä, du gscheida Mo' du, Odysseus,
sag iatz dein Buam, werst bist, und hoit nimma zruck mid da Wahrheit;
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NEUNZEHNTA GSANG

Die Gschicht midn Fuaßbad


Dar Odysseus schafft an Telemax o', er soi die Waffn ausn Soi ramma. D-Peny wui von Odysseus wissn, wo daß-a herkimmt; da muaß-a hoit wieda dalogne Gschichtn vazöin. Sie wui eam aa a gscheids Bett und a Fuaßbad herrichtn lassn; aba er moant, dös braucht-s oiß ned.

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"Mid an Fuaßbad da waar-i aa ned so ganz ei'vastandn,
koane soi-ma mid ihre Glupperl mein Haxn o'glanga
vo dene Weiba, de wo in-n Haus ois Magd bei dir deana;
boi ned a guats oids Muatterl da is, wo aa an Vastand hod,
und wo, akkrat so wiar i, scho vui hod durchgraacht im Lebn;
bei dera hed-i nix dagegn, wann-s d-Haxn mar o-glangt."

Eam hod na wieda zruckgebn die grundvanümpftige Peny:
"Liaba Gast - so sag-i, wei nia no mid sovui Vastehstmi
is-ma vo oi de weitgroastn Gäst ins Haus oana kemma,
du redst mid sovui Vastand, daß oiß bei dir Hand und Fuaß hod!
So a Muatterl hed-ma scho da, wo in Herz drin guat gsinnt is,
de hod mein Mo', den Pechvogl, gstuit und nachat aa aufzogn,
glei, so wiar-an sei' Muattar auf d-Wöit bracht hod, hod-n sie kriagt;
die ko'-da d-Füaß scho waschn, boi-s sunst aa ninma vui ausrichtt.
Geh, steh auf und kimm her, Eyrykleia, du host do an Ei'sehgn,
wasch-n, er is so oid wia da Herr! leicht hod dar Odysaeus
aa akkrat scho soichane Händ und Füaß wia der Mo' da;
Wei de Leut, dene-s dreckat geht, wern oid vor da Zeit oft."
So hod-s gsagt, und die Oide hod d-Händ vor d-Lätschn hi'ghoitn,
s-Wassar is hoaß ihr in d-Augn gschossn, und so hod-s na gjammert:
"Mei, du mei' arma Bua, gar nix kon-i macha! Da Herrgott
hod-di vor alle Menschn so plagt, und bist do so fromm gwen!
D-Füaß, de wasch-a-da gern, ned bloß wei die Peny ma-s gsagt hod,
sondern aa zwega deina, weist-mi ganz inna drin dauerst;
abar iatz paß amoi auf, dös oane muaß-a-da sagn:
Fremde warn vui scho bei uns, de allahand Sacha dalebt ham,
aba dös sag-a-da, koana hod no an Odysseus so gleichgschaugt
wiast-as du tuast in da Größ, in da Stimm und die Haxn."
Da hod ois Antwort ihr zruckgebn der Hund, der verreckte, Odysseus:
"Muatterl, so sagn-s alle, wo uns raid eanane Augn
söiba gsehgn harn nebaranand, mir taadn uns so gleichschaugn,
grad wiast-as du iatz söiba scho gspannt und nachat aa gsagt host."
So hod-a gsagt, und die Oid hod daherbracht die glanzate Schüssl,
daß-s eam d-Fü'aß drinnat wascht, vui Wassa hod-s einigossn
koits, und lachat hod-s s-hoaße no nachgschütt. Und dar Odysseus
hod-si von Herd weggagsetzt und gschwind zun Dunkln si hi'draht;
denn auf oamoi foit-s-n do ei', sie kannt, wann-s da hi'glangt,
wiedakenna de Schramna, de wo eam da Zahn vo-ra Wuidsau hod beibracht.

Wia die Oide mid ihrane Finga nach untn da hi'kimmt,
kennt-s-as, wia-s-as o'glangt, und laßt den Haxn glei sausn,
obi platscht da Waadl in d-Schüssl, dös Eisntrumm schäbart,
umgfoin is-s auf d-Seitn, und s-Wassa war oißamm am Bodn.
Sie war vor Freud und Schmerz midanand ganz narrisch, und d-Augn
san volla Wassa gwen, aba d-Stimm war wia vo-ra Junga.
Packt hod-s-n iatz am Keanzn und hod an Odysseus so o'gredt:
"Mensch, du bist dar Odysseus, mei liaba Bua, und i hob di
zerscht ned kennt, bevor-i mein Herrn ned hob umadum o'glangt."
So hod-s gsagt und hod ihre Augn iatz hi'draaht zur Peny,
sagn hed-s-ar gern woin, daß ihr liaba Mo' iatz dahoam waar.
Aba die anda hod nix sehgn könna und aa nix gneißn,
weil d-Athene hod-s abglenkt in ihran Geist. Dar Odysseus
hod-s mid da rechtn Hand bei da Gurgl iatz packt, mid dar andern
hod-a-s nachat zuawazogn und aso auf sie ei'gredt: "Muatterl, wuist-mi hi'macha? Du host-mi seinazeit zuzln
lassn an deine Duttn, iatz hob-i aso vui scho durchgmacht
und kimm in zwanzigstn Jahr iatz wieda zruck in raei' Hoamat.
Aba wannst-as scho gspannt host und dir hod-s a Heiliga ei'gebn,
hoit bloß s-Mai, damid daß in-n Haus aa koana was midkriagt!
Wei dös sag-a-dar iatz scho, und so werd-s bestimmt aa no nausgeh:
Wann-i die schneidign Hochzeita Herr wer mid Huif vo de Heiling,
paß-i auf di aa ned auf, aa wannst-mi gstuit host, soboid-i
in mein Haus herinn die andern Menschar oi umbring."
Eam hod auf dös hi' gsagt voi Ei'sehgn glei d-Eyrykleia:
"Liaba Bua, was host für a Red aus dein Mai' außalassn!
Woaßt-as do, daß-i dös, was-i wui, aa tua und ned nachgib;
i heb staad wiar a harta Stoa, da bin-i do eisern.
Abar i sag da no oans, und dös ko'st-da du vo mir mirka:
Wannst die schneidign Hochzeita Herr wirst aid Huif vo die Heilign,
nachat zöi-a-da oißamm auf im Haus drin die Menscha,
wo-dar a Schand gmacht harn, und de, wo-si anständi gführt ham."
Auf dös hod ihr ois Antwort gebn da gscheide Odysseus:
"Muatterl, dös braucht-s do ned, daß du-ma de Menschar oi aufzöist,
i hob do söibar Augn in Kopf und kenn glei a jede,
du hoit bloß dei' Mai und laß oiß andre an Himmi!"
So hod-a gsagt, und die Oide is glei ausn Zimma nausganga
und hod a neuchs Fuaßbad ghoit, wei s-erschte war ja ganz ausgschütt.
Aba wia-s-n gwaschn und ei'gschmiert hod mid-ra Fettkrem,
hod-si zun Feua zuawigruckt wieda sein Stui dar Odyssous,
daß-a-si aufwarmt, und hod-si sei' Schramma mid Lumpn guat zuadeckt.


Otto Kuen, Jahrgang 1910, Humanist, hatte als deutscher Besatzer in der nordnorwegischen Tundra seinen Homer im Tornister und übersetzte die Odysee von der Voßschen Übersetzung ins Bayrische. Die Alliierten nahmen sie ihm ab und 1987 übersetzte er den Urtext in seinen Mutter-Dialekt: Daraus die drei ans Herz gehenden Auszüge (lest die Originalstellen zum Vergleich!) - gewidmet unserem SF Gogo, dessen tragischer Tod 2008 uns alle tief betroffen gemacht hat...